Konzept

1. Ziel des Projektes, Zeitplanung

Ziel ist eine kritische Flora in deutscher Sprache, die alle einheimischen und eingebürgerten Gefäßpflanzen enthält (ca. 1500). Es sollen auch solche Sippen aufgenommen werden, von denen Vorkommen in der Literatur glaubwürdig erwähnt werden, z. Zt. aber nicht gesichert sind. Fragwürdige und falsche Angaben sollen zumindest kurz erwähnt werden. Es ist geplant, die Texte bis spätestens 2013 fertig zu stellen.

2. Das Gebiet der Exkursionsflora

Rhodos, Khalki, Alimia und die kleineren Inseln zwischen Khalki und Rhodos (von letzteren zumeist unbewohnten Inseln, liegen kaum Angaben zur Flora vor).

3. Sprache, Format und geschätzter Umfang:

Die Texte werden in deutsch abgefasst. Die Bestimmungsschlüssel sind bilingual deutsch/englisch. Geplant ist ein DIN A5 Format, die Seitenzahl wird auf 300-350 geschätzt. 

4. Bestimmungsschlüssel 

Dichotome Schlüssel zu den Familien, Gattungen, Arten und Unterarten. Die Bestimmungsschlüssel zu den Arten und Unterarten werden von den Beschreibungen, ökologischen Angaben etc. getrennt. 

5. Taxonomische Kategorien

Familien, Gattungen, Arten und Unterarten (nur ausnahmsweise Varietäten). Andere Kategorien (Unterfamilien, Untergattungen, Sektionen) sollten nur verwendet werden, wenn es der Übersichtlichkeit dient. Gattungen und Arten werden nummeriert, Unterarten mit a, b, c. etc. gekennzeichnet. 

6. Anordnung der Taxa 

Die Anordnung von Familien, Gattungen und Arten folgt der Flora Hellenica (soweit erschienen). Abweichungen sind ausnahmsweise möglich und müssen abgesprochen werden. Möglich und noch nicht endgültig diskutiert ist die Einteilung der Familien nach der APG II (2003).

7. Nomenklatur und Synonyme 

Die Nomenklatur richtet sich nach den bisher erschienen Bänden der Med-Checklist, der Euro+Med Plantbase (bisher nur Asteraceen), der Flora Hellenica und der Flora Europaea. Abweichungen davon liegen in der Verantwortung des jeweiligen Bearbeiters. 

Synonyme sollten nur ausnahmsweise angewendet werden, z. B. wenn durch neuere Revisionen und Monographien bisher gebräuchliche Namen ersetzt werden. Kein Synonym sollte ausschließlich im Index erscheinen.

Die Abkürzungen der Autoren sollte sich nach Brummitt & Powell (1992) richten. Auch hier sind begründete Abweichungen möglich. Sie müssen aber abgesprochen werden.

8. Aufbau der Beschreibungen

Keine Familien und Gattungsbeschreibungen.

Die morphologische Beschreibung der Arten sollte aus 30-70 Wörtern bestehen und die Möglichkeit bieten, die durch den Schlüssel erfolgte Bestimmung zu verifizieren.

Außer der morphologischen Beschreibung der Pflanzen sollte folgendes aufgeführt werden: Lebensdauer, Lebensform, Blütezeit, Angaben zur Ökologie, Florenelement, Angaben zur Verbreitung im Gebiet (soweit möglich), bei seltenen Arten Fundorte (max. ca. 10). Bei den Fundorten Literatur, Finder und Datum mit angeben (auch ob Belege selbst revidiert wurden bzw. ob die Arten vor Ort vom Bearbeiter gesehen wurden).

9. Kultivierte Taxa 

Kultivierte, gelegentlich unbeständig auftretende Arten werden in die Bestimmungsschlüssel mit aufgenommen. Es wird vorgeschlagen, bei der  morphologischen Beschreibung genauso zu verfahren wie bei den indigenen Sippen. Durch eine kleinere Schrift heben sich diese Taxa dann später von den indigenen Sippen ab.   

10.  Irrtümlich für das Gebiet angegebene Taxa 

...werden nicht oder nur ausnahmsweise in die Bestimmungsschlüssel aufgenommen. Sie werden am Ende der jeweiligen Gattung erwähnt (vgl. Mountain Flora of Greece).

Bei zweifelhaften Angaben bleibt es den Autoren überlassen, ob Sie die Art mit verschlüsseln und kurz beschreiben oder ob sie die Angabe - wie bei den irrtümlich angegebenen - am Ende des Textes erwähnen.


Textbeispiele (4 Einträge)


1. Aristolochiaceae
(Bearbeiter. A. Kleinsteuber)

Aristolochia

1 Blattstiel 1-8(-10)mm lang. Perigonröhre meist +/- gerade, seltener gekrümmt. Zunge des Perigons am Grunde nicht geöhrt, verlängert, 6-8x so lang wie breit, innen geringfügig behaart
                                                                               1. Aristolochia parvifolia
1* Blattstiel 8-45 mm lang. Perigonröhre U-förmig gebogen. Zunge des Perigons am Grunde geöhrt, nicht verlängert, innen weiß steifhaarig
                                                                                2. Aristolochia guichardii

 1 Leaf petiole 1-8(-10)mm. Perigone tube mostly +/- straight, seldom decidedly curved; limb much longer than tube, flat, minutely pubescent within
                                                                                     1. Aristolochia parvifolia
1* Leaf petiole 8-45 mm.
Perigone tube abruptly curved, U-shaped; limb abruptely broader than tube, concave, roundish to obovate, white-hispid inside
                                                                                      2. Aristolochia guichardii

1. Aristolochia parvifolia Sm. 1816
Ausdauernd. Stengel 10-40(-60) cm hoch, einfach oder verzweigt. Blätter 1-8(-10) mm lang gestielt, seicht herzförmig, elliptisch bis eiförmig, Spreite 7-30 x 5-20(-25)mm, zumindest jung beidseitig behaart. Blüten einzeln; Blütenstiel 1-5 mm lang. Perigon 2,5-8,8 cm lang, häufig L-förmig, die Röhre meist +/- gerade, selten gekrümmt; Zunge am Grunde nicht geöhrt, viel länger als die Röhre, mit rötlichen oder braun-violetten Streifen (z. T. netznervig), innen kaum behaart. Kapsel fast kugelig, im Durchmesser 7-15 mm, sich von der Spitze her öffnend. Samen 3-4 mm lang und breit, dunkelbraun, warzig
III-V. Felsspalten, Geröll, Mauern, Phrygana, trockene Ruderalstandorte, Forste, Olivenhaine, Sandstrände, kalkliebend. o-med
Rhodos, Inseln: Auf Rhodos zerstreut


2. Aristolochia guichardii P. H. Davis & Khan 1964
Ausdauernd. Stengel 20-30(-50) cm hoch, einfach oder am Grunde verzweigt. Blätter bis 4,5 cm lang gestielt, beidseitig +/- behaart, eiförmig-dreieckig bis eiförmig, Spreite 20-50(-70) x 15-30(-65) mm. Blüten einzeln in den Achseln der untersten Blätter; Blütenstiel 7-40 mm lang. Perigon 25-50mm lang, U-förmig gebogen; Zunge rundlich, am Grund geöhrt, rötlich bis schwärzlich-violett, innen weiß steifhaarig. Kapsel fast rund bis elliptisch, 15-25 x 15-22 mm, sich vom Grunde her öffnend. Samen 5 mm lang und breit, braun, warzig.
III-IV(-V). Feuchte, schattige, lehmige und steinige Standorte in Pinus brutia-Wäldern und Quercus coccifera-Macchie. o-med (Endemit von SW-Anatolien (Prov. Mugla) und Rhodos)

Rhodos: Häufig im Gebiet um den Profitis Ilias bei Salakos, sonst zerstreut bis selten zwischen einer Linie von Apolakkia und Yennadi im Süden und Kalaverda, Eleousa und Kolimbia im Norden, weiter südlich und nördlich bisher nicht nachgewiesen.


2. Paeoniaceae
(Bearbeiter A. Kleinsteuber)

Paeonia

Paeonia clusii Stern & Stearn 1940 
(Im Gebiet nur die subsp. rhodia (Stearn) Tzanoud. 1977)
Ausdauernd.  Stengel 25-40(-45) cm hoch, kahl, meist rötlich überlaufen. Blätter wenige, wechselständig, unterseits heller, meist kahl; untere Blätter lang gestielt, dünn (bei der Typusunterart dicker), meist doppelt dreizählig, mit zahlreichen eiförmigen bis lanzettlichen Teilblättchen, mittlereBlattabschnitte 1. Ordnungin (3-)5-8(-10) Teilblättchen geteilt (bei der Typusunterart in (7-)10-20(-30) Teilblättchen geteilt), oberste Blätter direkt untere den Kelchblättern, kurz gestielt, meist nur einfach dreizählig. Blüten meist einzeln, im Durchmesser 7-8(-10) cm. Kelchblätter meist 5, frei, ungleich. Kronblätter 6-8, verkehrt-eiförmig bis fast kreisförmig, meist weiß, selten schwach rosa. Staubblätter zahlreich, spiralig angeordnet, Filamente rot oder rosa, Staubbeutel gelb. Fruchtblätter 2-3(-5) kurz und dicht filzig behaart. Griffel 7-10 mm lang, in der oberen Hälfte eingerollt. Balgfrüchte ca. 30 mm lang, Samen zweireihig, schwarz, glänzend, elliptisch bis fast kugelig
III-IV. Lichte Kiefern- und Zypressenwälder, Felsen, selten in Phrygana, in dicht schließenden Gehölzbeständen kümmernd und häufig steril, kalkliebend. o-med (Paeonia clusii ist auf Kreta, Karpathos und Rhodos endemisch. Die subsp. rhodia kommt nur auf Rhodos vor.)
Rhodos: Auf Rhodos zerstreut am und um den Profitis Ilias bei Salakos, selten im Hügelland südlich Apolakkia (z. B. nahe Moni Skiadi). Isolierte Vorkommen bei Epta Piyes, Kolimbia und Lardos

3. Polygalaceae

(Bearbeiter: A. Kleinsteuber)

Polygala 

1 Meist einjährig. Pflanzen mit +/- dünner Pfahlwurzel. Krone viel kürzer als die weißlichen Flügel (innere Kelchblätter). Staubfäden nur bis ½ miteinander verwachsen
                                                                                        1. Polygala monspeliaca
1* Ausdauernd. Pflanzen mit verholztem Wurzelstock. Krone deutlich länger als die weißen, (hell)violetten oder hellblauen Flügel (innere Kelchblätter). Staubfäden fast bis zur Spitze verwachsen
                                                                                         2. Polygala venulosa

1 Mostly annual with +/- slender tap root. Corolla much shorter than the whitish inner sepals. Filaments united for only ½ their length
                                                                                     1. Polygala monspeliaca
1* Perennial with a woody rootstock. Corolla exceeding the white, mauve or
pale-blue inner sepals. Filaments united to nearly the apex
                                                                                      2. Polygala venulosa


1. Polygala monspeliaca L. 1753
Einjährig (selten zweijährig). Stengel 7-30 cm hoch, einzeln oder wenige, aufrecht, einfach oder wenig verzweigt, +/- stark kurz behaart. Blätter lanzettlich, linear-lanzettlich oder länglich-lanzettlich, zugespitzt, am Rand etwas umgerollt. Blütenstand endständig, lang traubig. Tragblätter hinfällig,
  +/- so lang wir die Blütenstiele, membranartig, pfriemenförmig. Blütenstiele kurz, meist zurückgebogen. Die 3 äußeren Kelchblätter ca. 2-3 mm lang, lanzettlich, grün, breit hautrandig, die 2 inneren (Flügel) 8-10 mm lang, elliptisch, weißlich, mit 3 grünen Hauptnerven, Seitennerven nicht zusammenfließend. Krone ca. 4 mm lang,  viel kürzer als die inneren Kelchblätter. Staubfäden bis ½ miteinander verwachsen. Kapsel sitzend, bis 6 x 3 mm groß, verkehrt eiförmig, kahl, eingebuchtet, geflügelt.Samen lineal, ca. 2,5 x 1 mm, dicht angedrückt seidenhaarig
III-V.
Phrygana, Dünen, Olivenhaine, Wegränder, meist auf kalkreichen Böden. med sw-orient mesopot
Rhodos: zerstreut

2. Polygala venulosa Sm. 1813
Ausdauernd, mit verholztem Wurzelstock. Stengel (5-)10-25 cm hoch, zahlreich, niederliegend bis niederliegend-aufsteigend, verzweigt, kurz behaart. Blätter am Rand etwas umgerollt, untere spatelig oder schmal verkehrt-eiförmig, meist stumpf, die oberen sehr schmal elliptisch bis fast lineal, zugespitzt. Blütenstand endständig, zuerst kurz traubig, sich zur Fruchtzeit stark verlängernd. Tragblätter hinfällig, so lang oder etwas kürzer als die Blütenstiele, breit hautrandig. Blütenstiele kurz. Die 3 äußeren Kelchblätter ca. 2-3 mm lang, eilanzettlich, grün, hautrandig, die 2 inneren (Flügel) 6-8 mm lang, schmal verkehrt-eiförmig bis elliptisch, weiß, (hell)violett oder hellblau, mit meist 3 grünen Hauptnerven, Seitennerven zusammenfließend. Krone 8-12 mm lang, deutlich länger als die Flügel. Staubfäden fast bis zur Spitze verwachsen. Kapsel sitzend, bis 6 x 5 mm groß, verkehrt-herzförmig, kahl, geflügelt. Samen länglich-eiförmig, ca. 2,5 x 1,2 mm, dicht angedrückt seidenhaarig

III-V. Lückige Standorte in Phrygana und Nadelwäldern, Dünen. o-med (Griechenland, SW-Anatolien, Zypern)
Rhodos: zerstreut

4. Achillea
(Bearbeiter: A. Kleinsteuber)


1 Zungenblüten vorhanden. Blätter fiederschnittig
                                                                    1. Achillea cretica

1* Zungenblüten fehlend. Blätter einfach
                                                                    2. Achillea maritima


1 Ligules present. Leaves pinnatisect
                                                                    1. Achillea cretica
1* Ligules absent. Leaves simple
                                                                    2. Achillea maritima

1. Achillea cretica L. 1753
Zwergstrauch. Stengel 10-30 (-40) cm hoch, gefurcht, weißfilzig behaart, manchmal verkahlend. Blätter 10-25 mm lang, linealisch, fiederschnittig, mit zahlreichen kleinen, dicht stehenden oder sich überlappenden, stumpfen Lappen, besonders auf den Nerven +/- dicht wollig behaart. Köpfchen zu (5-) 10-30(-50) in Schirmtrauben; Köpfchenstiele bis 10 mm lang, wollig behaart. Hüllblätter länglich bis rundlich, breit hautrandig, stumpf, behaart. Zungenblüten 6-8, weiß, Zungen stark zurückgebogen. Spreublätter länglich, hautrandig, mit behaarter Mittelrippe. Achänen länglich-eiförmig, 1,5-2 mm lang, stark zusammengedrückt, schmal geflügelt
IV-VI. Felsen, steinige Böschungen, Phrygana, meist in Meeresnähe. aeg-cypr (Ägäis, SW-Anatolien, Zypern)
Rhodos, Khalki: verbreitet entlang der Küsten, selten im Inland 

2. Achillea maritima (L.) Ehrend. & Y.-P. Guo 2005
(Otanthus maritimus (L.) Hoffmanns. & Link 1834)
Ausdauernd, herdenbildend. Pflanze aromatisch riechend, dicht weißfilzig behaart. Stengel 15-30 (-50) cm hoch, kräftig, unten verholzend, einfach oder wenig verzweigt, aufsteigend bis aufrecht, dicht beblättert. Blätter fleischig, einfach, länglich bis länglich-lanzettlich, halbstengelumfassend, +/-stumpf, ganzrandig oder undeutlich gezähnt. Köpfchen zu 3-8 in Schirmtrauben; Köpfchenstiele bis 15 mm lang. Hüllblätter eiförmig. Röhrenblüten gelb, Krone an der Achäne haftend bleibend, dick, korkig. Spreublätter eiförmig-lanzettlich, wollig behaart. Achänen verkehrt-eiförmig, 1,5-2 mm lang (ohne Krone), stark zusammengedrückt, gelbdrüsig.
V-VIII. Sand- und Kiesstrände, Dünen. med-atl
Rhodos: zerstreut entlang der Westküste, z. B.
Kremasti, 2005, Kleinsteuber (KR)
SW-Küste, nahe dem Abzweig nach Moni Skiadi, 2002, Kleinsteuber (KR)

 
Achillea odora Forsskal 1875
Ungeklärte Sippe, von Forsskal (1875) für Rhodos angegeben.